Kopfzeile

Metanavigation

Suche

Die persönlichste Versicherung der SchweizGeneralagentur wählenDie persönlichste Versicherung der Schweiz

Logo

  • Schrift verkleinern
  • Schrift vergrössern
  • Seite drucken

Bewährungsprobe für die Elementarschadenversicherung

Solidarität steht auf dem Prüfstand

Die Gefährdung durch Naturgefahren nimmt zu – und dadurch auch die Bedeutung einer funktionierenden Elementarschadenversicherung. In Zeiten der zunehmenden Individualisierung steht die Grundidee allerdings vor einer Bewährungsprobe.


Von Bruno Kuhn, Mitglied der Geschäftsleitung der Mobiliar


Am 22. August 2005 wurde uns eindrücklich vor Augen geführt, wie wehrlos wir zuweilen den Launen der Natur ausgesetzt sind. Die finanziellen Folgen des grössten je versicherten Naturschadenereignisses in der Schweiz waren gewaltig: Die Schadensumme betrug 2,5 Milliarden Franken. Im Zusammenhang mit dem Rekord-Hochwasser vom Sommer 2005 wurde immer wieder das Wort «Jahrhundertereignis» bemüht – freilich zu unrecht. Aufgrund des Klimawandels ist in Zukunft in kürzeren Abständen mit derartigen Ereignissen zu rechnen.

In Zukunft muss in kürzeren Abständen mit Ereignissen wie im Sommer 2005 gerechnet werden.
In Zukunft muss in kürzeren Abständen mit Ereignissen wie im Sommer 2005 gerechnet werden.



Längst fällige Erhöhung

Ab dem 1. Januar 2007 sind Herr und Frau Schweizer – was die finanziellen Folgen betrifft – besser vor Naturkatastrophen geschützt. Die längst fällige Erhöhung der Höchsthaftungslimiten in der Elementarschadenversicherung wird endlich umgesetzt: von je 250 Millionen Franken (Gebäude und Fahrhabe) auf je 1 Milliarde.

Im Sommer 2005 hatten die Privatversicherer einen dreistelligen Millionenbetrag auf freiwilliger Basis bezahlt.
Risikoselektion fehl am Platz
Die Elementarschadenversicherung der Privatversicherer, ein weltweit einzigartiges Solidaritätswerk, hat sich bereits mehrfach bewährt. Zum besseren Risikoausgleich haben sich die Versicherer vor über 50 Jahren zum Elementarschaden-Pool zusammengeschlossen. Dieser Zusammenschluss führte zu einem besseren Risikoausgleich und dieser wiederum zu einer Verbreiterung des Angebots für die Kunden zu günstigeren Prämien.

Das Solidaritätsprinzip wird jedoch künftig auf die Probe gestellt – in doppelter Hinsicht: Einerseits zwischen den Versicherern, anderseits zwischen den Versicherten (Wohneigentümer, Mieter und KMU). Bei der Elementarschadenversicherung ist Gewinnstreben kein Thema, weil die (Einheits-)Prämie vom Bundesamt für Privatversicherungen festgelegt wird. Ebenso wenig die «Jagd» auf gute Risiken – Risikoselektion ist für einmal fehl am Platz. Ein Umstand, der sich nur schlecht mit dem stetig wachsenden Wettbewerbsdruck vereinbaren lässt, aber unbedingte Voraussetzung für eine funktionierende Elementarschadenversicherung ist.
  
Betroffenheit im Kandertal nach dem Rekord-Hochwasser vom August 2005
Betroffenheit im Kandertal nach dem Rekord-Hochwasser vom August 2005
 Gefährdung erkennen
In Zeiten, in denen Individualität im Trend liegt, steht auch die Solidarität zwischen den Versicherten auf dem Prüfstand. Die Bedrohung durch Naturgefahren ist in der Schweiz sehr unterschiedlich. In der Stadt Zürich beispielsweise liegt die Wahrscheinlichkeit eines Lawinenniedergangs bei Null.

Die Versicherten müssen langfristig eine echte Gefährdung erkennen können. Zu diesem Zweck wurde bei der Gründung der Elementarschadenversicherung Anfang der 50er-Jahre ein «Elementarschaden-Paket» geschnürt.
  
Greifbare Betroffenheit
Nach den verheerenden Lawinenschäden im Winter 1950/51 suchte man nach Lösungen, um die betroffene Bergbevölkerung zu schützen und die Solidarität der Unterländer zu gewinnen. Das Resultat war die Bündelung der neun Naturgefahren (Überschwemmung, Hochwasser, Sturm, Hagel, Lawinen, Schneedruck, Felssturz, Steinschlag und Erdrutsch), dank welcher die Betroffenheit für jeden greifbar erscheint. Zudem darf beim Einzelnen nicht das Gefühl entstehen, von der Solidargemeinschaft ausgenutzt zu werden.

Und: Solidarität funktioniert nur, wenn auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Häufiger auftretende Naturkatastrophen und eine weiter steigende Wertekonzentration tragen zu einem wachsenden Schadenausmass bei. Bund, Kantone und Gemeinden sind gefordert, mit einer zukunftsweisenden Raumplanung das Schadenpotenzial langfristig zu mindern.
  
Gute Ausgangslage – schlechte Umsetzung
Die Schweiz kennt sich im Umgang mit Naturgefahren aus und verfügt über bewährte Methoden zur Bestimmung von Gefährdungen und deren Auswirkungen. Wir machen freilich zu wenig aus dieser guten Ausgangslage. Vielerorts fehlt der Wille zur Anwendung. Ein Beispiel: Seit 1991 haben die Kantone den Auftrag, Gefahrenkarten zu erstellen – kartiert ist bisher aber nur ein Drittel der Fläche.

Dieses zögerliche Vorgehen gefährdet das gesamte Elementarschaden-Versicherungssystem. Der politische Druck zu konsequentem Handeln muss zunehmen. Die Gefährdung durch Naturgefahren nimmt zu – eine tragfähige Elementarschadenversicherung ist für viele Privatpersonen und Unternehmen von existenzieller Bedeutung. Tragen wir also Sorge zu diesem einzigartigen Solidarwerk – es sind alle dazu aufgefordert, ihren Anteil dazu beizutragen.


04.12.2006
YouTube Facebook RSS Icon
Quelle: http://www.mobi.ch